Internationale Jugendarbeit

Sport-Fachkräfteaustausch Bremen-Riga

Seit mehr als drei Jahrzehnten sind Bremen und die lettische Hauptstadt Riga durch eine Städtepartnerschaft miteinander verbunden. Mit dieser Kooperation sollte bei der Gründung der Partnerschaft im Februar 1985 ein Zeichen für die Entspannungspolitik zwischen Ost und West und für die Völkerverständigung gesetzt werden. Die Bremer Sportjugend (BSJ) hat nun mit einem mehrtägigen Fachkräfteaustausch versucht, zusammen mit lettischen Sportlern hierbei neue Impulse zu setzen.

Bernd Giesecke, Vorsitzender der BSJ im Landessportbund Bremen, beschreibt die von langer Hand vorbereitete Initiative so: „Mit diesem erstmaligen Besuch seit vielen Jahren haben wir Kontakte geknüpft und wollen nun versuchen, ein Netzwerk zu etablieren. Letztlich sollen sich in absehbarer Zeit junge Sportgruppen aus Lettland und Deutschland gegenseitig besuchen und sportlich wie kulturell begegnen.“ Damit derartige internationale Begegnungen möglichst schon 2017 starten können, hatten sich die 14 Teilnehmer der BSJ-Reisegruppe im Vorfeld einige Projekte überlegt, die es nun vor Ort mit den lettischen Partnern auszuloten galt.

In Riga vertreten waren die Sportarten Basketball, Leichtathletik, Rugby, Schwimmen, Tischtennis, Volleyball, aber auch der Behindertensport sowie der Betriebssport. Alle Bremer Teilnehmer aus verschiedenen Vereinen und Verbänden vereinbarten mit ihren lettischen Ansprechpartnern konkrete Schritte zur weiteren Umsetzung von Austauschmöglichkeiten junger Sportler. So räumen beispielsweise die Vertreter der SG Findorff, Michael Flügge und Marko Schmidt, den gegenseitigen Besuchen internationaler Fußball-Turniere mit ihren Jugendmannschaften im kommenden Jahr gute Chancen ein. Auch ein Besuch einer lettischen Schwimmsport-Mannschaft beim traditionellen „Internationalen“, dem Schwimmfest des Blumenthaler TV, scheint für den Herbst 2017 möglich. „Vielleicht lässt sich das auch noch auf einer breitere Basis, zusammen mit unserer Bremer Städtepartnerschaft mit Danzig, stellen“, überlegt Uwe Schnibben, Vorsitzender des Blumenthaler TV. Letztlich ist natürlich vieles eine Frage der Finanzierung, mit einem breiteren Konzept wäre der Zugang zu EU-Mitteln erreichbar. „Wir denken aber auch an Projekte wie gegenseitiger Austausch eines FSJlers oder Teilnahmen Rigaer Mannschaften an internationalen Volleyball- oder Basketball-Turnieren, z.B. bei Bremen 1860“, ergänzt Bernd Giesecke.

Offen und interessiert an zukünftiger Zusammenarbeit zeigten sich die lettischen Partner durchweg. Die Bremer Vertreter führten jedoch nicht nur Anbahnungsgespräche, sie konnten auch einiges über die Organisation des Sports in Lettland und seiner Hauptstadt Riga erfahren. Dmitrijs Zverevs, Leiter der Abteilung für Erziehung, Kultur und Sport der Rigaer Stadtverwaltung, brachte den Bremer Gästen die wie zu Zeiten der Sowjetunion immer noch recht stark zentral organisierte Sportlandschaft Rigas näher. Außerdem standen Besuche und Besichtigungen diverser Sportschulen auf dem Programm, in denen der Sportbetrieb für Kinder und Jugendliche ab 16 Uhr nachmittags hauptsächlich vonstattengeht. Rund 19 Prozent der Rigaer Jugendlichen von sechs bis 19 Jahren sind auf einer derartigen Sportschule aktiv, deren elf gibt es insgesamt im Rigaer Stadtgebiet. Basketball mit Abstand, dann Volleyball, Kunstturnen, Leichtathletik und Schach sind die verbreitetsten Sportarten. Die größte Sportschule „Arkadija“ feiert 2017 übrigens ihr 55jähriges Bestehen und würde einen Jugendaustausch Riga-Bremen in diese Feierlichkeiten einbinden.

„Der erste Wurf ist gelungen“, lautete ein kurzes Fazit von Bernd Giesecke zum Abschluss der Begegnungen. „Auch auf politischer Ebene haben wir, denke ich, Bremen gut repräsentiert.“ Beim Besuch des Rathauses erinnerte Bernd Giesecke in einer kurzen Rede an den vor kurzem verstorbenen Bremer Bürgermeister Hans Koschnick, der die Städtepartnerschaft stark gefördert hatte. Auch ein Besuch der deutschen Botschaft gehörte zum Programm, dessen Erster Sekretär Christoph Klarmann seine volle Unterstützung für zukünftige Sportprojekte signalisierte. Ebenso stattete die Bremer Delegation dem Goethe-Institut in Riga einen Besuch ab. „Wir haben in den wenigen Tagen vor Ort unsere Vorhaben realisiert“, sagte Bernd Giesecke, „jetzt arbeiten wir an den weiterführenden Maßnahmen. Wir würden uns über einen Gegenbesuch einer lettischen Delegation in Bremen freuen.“

Unabhängig von der 14köpfigen Bremer Delegation hinterließ nur zwei Tage später beim Lattelecom Riga Marathon eine Bremer Sportlerin einen guten Eindruck in der mit über 700.000 Einwohnern größten Stadt des Baltikums. Elke Schmidt von der BSG Sparkasse Bremen lief unter rund 25.000 Startern über die Halbmarathon-Distanz 2:03:28 Stunden und wurde Vierte ihrer Altersklasse W60.

Presseberichte

Artikel WK