SZ Sebaldsbrück spendet 2600 € für „Kids in die Clubs“
Beim Zweiten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht überreichten die Schüler/innen des Schulzentrums Sebaldsbrück der Bremer Sportjugend eine Spende über 2600 € für das Projekt „Kids in die Clubs“. Die Schüler/innen organisierten einen Staffellauf, bei dem verschiedene Privatpersonen spenden konnten. Dieser Lauf war durch die tolle Leistung der Schüler ein voller Erfolg. Durch die Spenden wird 27 Kindern der Sport für ein Jahr im Verein ermöglicht. Für diese Spende möchten wir uns ganz herzlich bei den Schüler/innen, auch im Namen der Kinder, bedanken.
Staatliche Unterstützung für „Kids in die Clubs"? Veranstaltung der BSJ zum Zweiten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht
Senator Ulrich Mäurer zeigte sich sichtlich betroffen über die große Warteliste (113 Kinder!) bei „Kids in die Clubs": „Das kann nicht sein, darüber muss die Politik deutlich nachdenken!" Die Nachfrage für Sport sei bei den Kindern und Jugendlichen vorhanden, Barrieren in den Schulen müssten abgebaut werden: „Es muss Geld in die Hand genommen werden!" Darüber sei auch ressortübergreifend im Senat zu diskutieren.
Zu hören waren diese Aussagen des Bremer Innen- und Sportsenators auf einer mit knapp 100 Teilnehmer/innen gut besuchten öffentlichen Veranstaltung der Bremer Sportjugend (BSJ) gemeinsam mit dem Senator für Inneres und Sport und dem Landesjugendamt Bremen zum umfangreichen Zweiten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht im Kundenzentrum der Sparkasse Bremen Am Brill. Hauptreferent des Abends war Prof. Dr. Werner Schmidt (Universität Duisburg-Essen), einer der Mitautoren des Berichts. Neben Senator Ulrich Mäurer bezogen auch Christian Droste, Vorsitzender der Bremer Sportjugend und Dr. Michael Schwarz als Leiter des Landesjugendamtes Stellung zu dem Thema.
Der über 500 Seiten starke Zweite Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht, herausgegeben von Prof. Dr. Werner Schmidt unter Mitarbeit von Prof. Dr. Renate Zimmer und Klaus Völker, wendet sich an alle, die das Kindeswohl im Auge haben. Das von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung initiierte Projekt befasst sich mit der Bedeutung des Sports für Kinder bis etwa zum 12. Lebensjahr. Im Bericht wird die Bedeutung von Bewegung und Sport im Hinblick auf die individuelle Entwicklung beschrieben und auf mögliche positive Effekte analysiert.
Prof. Werner Schmidt beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den inhaltlichen Schwerpunkten „Effekte kindlicher Bewegungszeiten", „Sozialstrukturelle Ungleichheiten – was tun?" und „Informelle Bewegungs- und Spielräume". Er machte deutlich, dass sich durch frühkindliche Bewegungsangebote nicht nur die Motorik, sondern auch die Sprache verbessere. Am effektivsten gestalte sich dieser Prozess im Alter von 3 – 4 Jahren. Unbestreitbar seien die langfristige Bedeutung körperlicher Aktivität und die des intensiven sportiven Engagements im Hinblick auf Gesundheit und Selbstkonzept. Er verwies auf empirisch nachweisbare positive Effekte von Bewegungskindergärten und Bewegungspausen wie auch bewegten Unterrichts an den Grundschulen. Die Konzentration werde dadurch erheblich erhöht. Prof. Schmidt hinterfragte kritisch das funktionale Bildungsverständnis in der Nachfolge der PISA-Ergebnisse und stellte dem eine Konzeption des informellen Lernens gegenüber. Eine wichtige Rolle in seinen Ausführungen spielten auch soziale Ungleichheiten in Gesundheit und Bildung sowie die Chance des Sports als Entwicklungsimpuls für alle – Jungen und Mädchen, Kinder unterschiedlicher Ethnie und mit unterschiedlicher Bildungsbiographie. In keinem vergleichbaren europäischen Land hingen die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche derart vom Bildungsniveau der Eltern ab wie in Deutschland. Für den Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit forderte er eine stärkere Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen.
Die Bremer Sportjugend stellte dann noch einmal ihr Projekt „Kids in die Clubs" vor, bei dem Kindern aus einkommensschwachen Familien – derzeit über Spenden von Firmen und Privatpersonen - die Mitgliedschaft in einem Sportverein ermöglicht wird. Gegenwärtig seien daran bei einem Volumen von ca. € 40.000,- pro Jahr 74 Vereine aus Bremen und Bremerhaven beteiligt. Gleichwohl stünden nach wie vor 113 Kinder auf der Warteliste. Der BSJ-Vorsitzende Christian Droste forderte deshalb an dieser Stelle staatliche Unterstützung zur langfristigen Absicherung des Projekts. Michael Sander, Geschäftsführer der Hamburger Sportjugend, verwies darauf, dass das Hamburger „Kids in die Clubs"-Projekt u.a. durch staatliche Haushaltsmittel finanziert und gesichert werde. Vor dem inhaltlichen Teil der Veranstaltung hatten Schüler/innen des Schulzentrums Sebaldsbrück bereits eine Spende über € 2600,- für das Projekt überreicht, die sich dabei auch mit der Armut in der eigenen Stadt auseinander setzten. Kinder des Schulzentrums hatten in diesem Jahr – wie auch schon 2008 – einen Spendenlauf zugunsten von „Kids in die Clubs" organisiert.
In der sich anschließenden (Podiums-)Diskussion ging es um konkrete Handlungsanforderungen vor Ort für Politik, Jugendhilfe und Sport(verein). Neben den deutlichen Aussagen des Senators erklärte Dr. Michael Schwarz u.a., die Kindertagesbetreuungsangebote für 3- bis 6-Jährige lägen bei nahezu 100 % in Bremen und Bremerhaven. Gleichwohl gebe es Probleme bei der Ausgestaltung des öffentlichen Raums und der Schaffung von „Spielräumen". Mehrfach wurde in der Diskussion die Frage nach qualifizierten Sportfachkräften angesprochen. Prof. Schmidt bemängelte, dass 80 % des Sportunterrichts an den Grundschulen von fachfremden Kräften gegeben werde. Das wäre bei keinem anderen Unterrichtsfach denkbar. In diesem Zusammenhang wurde auch die Streichung der Sportlehrerausbildung an der Universität sowohl vom Podium wie aus dem Auditorium scharf kritisiert. Bemängelt wurde von verschiedenen Seiten das Fehlen von Vertreter/innen aus dem Bildungsbereich wie auch aus der Politik. Hier waren – neben dem Senator - lediglich die Abgeordneten Dr. Magnus Buhlert (FDP) und Hans-Georg Gerling (CDU) für die parlamentarische Opposition vertreten.
Quasi als Schlusswort erklärte Bernd Giesecke aus dem BSJ-Vorstand, man werde den Senator beim Wort nehmen und hoffe zeitnah auf eine finanzielle Unterstützung aus dem Senat für „Kids in die Clubs". Alle Anwesenden waren sich einig, dass in ca. einem Jahr eine Folgeveranstaltung stattfinden soll, um die Umsetzung der Schlussfolgerungen des Zweiten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts im Lande Bremen zu überprüfen.

